29. März und 04. April 2026
Mit einer Audio-Installation auf dem Shmuel-Dancyger-Platz sowie einem diskursiven Vermittlungsprogramm verbindet „STUTTGART, 1946“ zwei historische Jahrestage mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen.
Ausgangspunkt ist der 29. März 1946, an dem der Khurbn-Überlebende Shmuel Dancyger bei einer Razzia von einem Stuttgarter Polizisten erschossen wurde. Shmuel Dancyger war, wie tausend weitere polnisch-jüdische Überlebende, im Displaced-Persons-Center Stuttgart-West untergebracht. Die meisten der dort temporär lebenden Menschen stammten aus dem polnischen Radóm, hatten den Khurbn (nationalsozialistischer Genozid) überlebt und konnten wegen der erstarkenden antisemitischen Gewalt nicht zurück in ihr Herkunftsland. Im Zentrum von „STUTTGART, 1946“ steht neben dem 29. März bewusst auch das Datum des 4. April 1946, an dem große Proteste gegen die deutsche Polizeigewalt im Stuttgarter Displaced-Persons-Center stattfanden.
Anlässlich des 80. Todestages von Shmuel Dancyger und des 80. Jahrestages der DP-Proteste fragt die Veranstaltung danach, wie heute an den Khurbn erinnert wird und welche Stimmen und Perspektiven dabei sichtbar werden oder unsichtbar bleiben.
Während der Todestag Dancygers als Gedenkanlass naheliegend erscheint, geraten die Proteste als Akt jüdischer Selbstermächtigung leicht in Vergessenheit. Das doppelte Gedenken rückt jüdische Handlungsmacht, Wut und Widerstand in den Vordergrund und widersetzt sich einer Erinnerung, die Jüdinnen*Juden auf passive Opfer reduziert.
„Was sind wir?“ – Eine Jiddische Stimme aus dem DP-Lager Stuttgart